Wollen wir wirklich alles digitalisieren?

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Wir texten mehr, wir reden weniger. Wir teilen mehr, wie wissen weniger. Wir reisen mehr, wir sehen weniger. Was bedeutet es, in eine digitalisierte Welt einzutreten? Und wollen wir das wirklich?

Man spricht heute über das digitale Zeitalter, was nahezu komisch klingt, weil die 20 Jahre, die der Mensch mit seiner Digitalisierung verbracht hat, fast nicht erfassbar sind, wenn man die extrem lange Zeitspanne bedenkt, die der Mensch gebraucht hat, um vom Vierbeiner zum Zweibeiner zu mutieren. Oder gar sprechen zu lernen!

Aber wir sollten keine Angst vor Veränderung haben, sondern es unseren Vorfahren nachmachen, die keine Scheu davor hatten, mit zwei Beinen wackeliger, dafür aber schneller durch die Steppen zu rennen. Und dass die Digitalisierung ihre zwei Seiten hat, ist unumstritten. Aber welche Gründe sprechen dagegen, welche dafür?

Halten wir uns die Kontras vor Augen.
Wir sind jederzeit und überall ansprechbar. Dank Whatsapp, Facebook und Handys haben wir weniger ruhige Zeiten, in denen wir uns einfach zurückziehen und entspannen können. Ständig werden wir bei unseren Tätigkeiten unterbrochen, angerufen, angeschrieben, angeflirtet … aber das liegt an unserem ausgeprägten Sozialsinn. Immerhin haben wir Handys genau dafür erfunden. Und auch unsere Sprache, übrigens.
Am meisten leidet dabei immer noch unsere Gesundheit. Wir sind laufend Strahlungen ausgesetzt und achten nicht ganz auf unsere Haltung beim Starren ins Handy oder in den PC. Wenn wir also nicht aufpassen, laufen wir bald wieder gekrümmt auf drei Beinen (eines muss ja das Handy halten).
Und was, wenn uns der Strom ausgeht? Am schlimmsten ist dieser Moment, in dem man sein Handy oder seinen PC wirklich, wirklich, wirklich braucht – aber der Akku leer ist. Was dann? Wo sind wir, wo müssen wir hin, wie hieß nochmal unsere Freundin mit Nachnamen?
Die Abhängigkeit der digitalen Welt ist schon sehr hoch.

Zum Glück lassen sich jedoch viele negativen Aspekte entkräften. Denn ja, wir sind Abhängig vom Strom und der Belastung durch Strahlen. Aber wir gehen stressfreier durch’s Leben, weil wir wichtige Meetings nicht mehr verpassen, schneller an unser Ziel gelangen und uns weniger verlaufen oder für einen Termin kurz anrufen und diesen Absagen. Wir lassen Menschen nicht mehr warten, sitzen nicht mehr stundenlang vorm Anrufbeantworter oder im Taubenverschlag.
Und abgesehen von der Entlastung der armen Brieftauben, haben wir jetzt auch eine Möglichkeit gefunden, unseren Briefkasten zu entlasten. Keine täglichen gehetzten Blicke am Morgen in die öde Metallbox und keine bangen Finger, die wir abends nach der Arbeit durch den Schlitz schieben, und hoffen, er ist frei von Rechnungen oder anderem Papierkram.

Liebesbekenntnisse kriegen wir per Sprachnachricht oder Videobotschaft, Rechnungen kommen per Mail, Postkarten per Whatsapp-Bild oder Facebookpost – wir sind jetzt in Echtzeit miteinander verbunden. Und das ist der größte Fortschritt der Digitalisierung. Wir rennen furchtlos auf zwei Beinen durch’s Leben und brauchen trotzdem nur einen Arm, um unser Leben zu managen und mehr Zeit für das zu haben, worauf es wirklich ankommt:
Unsere Freunde. Und die sind noch nicht digital, zum Glück.

By | 2018-01-31T22:10:26+00:00 Januar 31st, 2018|Uncategorized|